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Aufarbeitung – Verdachtsfall Impfnebenwirkungen

Wer die Zahlen nennt, fliegt raus Audio

Andreas Schöfbeck, ehemaliger Vorstand der BKK ProVita, zu den Daten zu Corona-Impfnebenwirkungen und seiner fristlosen Kündigung.

Als Andreas Schöfbeck die Versichertendaten der BKK ProVita auswertete, stieß er auf Zahlen, die weit über den offiziellen Meldungen des Paul-Ehrlich-Instituts lagen und machte die Auswertung öffentlich. Wenig später wurde ihm fristlos gekündigt. Im Gespräch mit Camilla Hildebrandt erzählt er, warum er sich den Versicherten verpflichtet fühlte, wie die Kasse und die Behörden reagierten. Vier Jahre nach dem Interview blickt er auf die Rolle von Krankenkassen, PEI und auf die Frage, was eine echte Aufarbeitung leisten müsste.

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Andreas Schöfbeck
Andreas Schöfbeck, ehemaliger Vorstand der BKK ProVita
(@ Andreas Schöfbeck)

Verdacht auf Impfnebenwirkungen

Schöfbeck spricht bewusst nur von Impfschaden-Verdachtsfällen, da er keine tatsächliche Kausalität feststellen könne. Für ihn ist es ein Skandal, dass das Paul-Ehrlich-Institut die vorliegenden Daten – einschließlich der Safe-Vac-App – bis heute nicht auswerte, obwohl das dringend nötig wäre.[1]

Vorwurf des Alleingangs und Datenqualität

Den Vorwurf kann Schöfbeck bis heute nicht nachvollziehen. Als Vorstand entscheide er, was er wann veröffentliche. Die Daten seien von Controlling, Landesverband und BKK-Dachverband geprüft und für qualitätsgesichert befunden worden. Ausgewertet wurde, wie viele Menschen wegen Nebenwirkungen der Impfung in Behandlung waren. Diese Zahl sei ab Beginn der Corona-Impfung exorbitant gestiegen. Bei 2,5 bis 3 Millionen Menschen von Bagatellen zu sprechen, sei für ihn unverantwortlich. Die Dunkelziffer vermutet er noch höher.

Kündigung und Reaktion anderer Krankenkassen

Schöfbeck sagt, ihm sei ausschließlich wegen des damaligen Interviews gekündigt worden. Alles andere sei konstruiert. Die Mitarbeiter habe er kritisch informiert, aber stets betont, dass jeder selbst entscheidet und Rücksicht genommen werde. Daraus eine fanatische Haltung oder einen Verstoß gegen das Neutralitätsgebot zu machen, sei an den Haaren herbeigezogen. Die Kassen hätten alle Zugriff auf die Daten gehabt – die Techniker Krankenkasse sei später zu ähnlichen Zahlen gekommen. Er verstehe nicht, warum die Kassen so unkritisch blieben.

Persönliche Folgen

Schöfbeck hat seit der fristlosen Kündigung kein Gehalt mehr erhalten. Die Rechtsstreitigkeiten dauern seit viereinhalb Jahren an. Zwei Kündigungen wurden in erster Instanz aufgehoben, die Gegenseite hat Berufung eingelegt. Sie begründet dies mit einem Verstoß gegen das Neutralitätsgebot und einem Vertrauensbruch. Schöfbeck sieht darin pauschale Vorwürfe, die eine inhaltliche Auseinandersetzung kaum noch möglich machen.

Einsicht über Deutschland

Er sei mit dem Glauben an Demokratie und offene Diskussionen aufgewachsen; die letzten Jahre hätten diesen Glauben sehr infrage gestellt. Viele Entwicklungen, darunter die Abhängigkeit der Medien, schadeten dem Staatswesen. Aus heutiger Sicht würde er jederzeit wieder so handeln – aus Verantwortung gegenüber der Kasse und den Versicherten. Wer Verantwortung trage, müsse sie auch übernehmen – auch wenn es unbequem sei.

Holistisches Gesundheitssystem

Schöfbeck wünscht sich ein anderes, holistisches Gesundheitssystem. Der Schlüssel liege in der frühkindlichen Bindungsforschung: Kinder nähmen in den ersten Jahren alles auf, auch emotionale Probleme. Setze man dort an, ließen sich Wiederholungsmuster über Generationen durchbrechen. Ein entsprechendes Projekt mit einem Professor zur Ausbildung von Mentoren für junge Eltern sei genau zur Zeit seiner Kündigung vorbereitet gewesen.

Nachtrag

Am 7. Oktober 2026 veröffentlichte das Paul-Ehrlich-Institut die Auswertung der SafeVac-2.0-Studie. Ausgewertet wurden Angaben zu 1.436.039 Impfungen. Bei 68 % der Impfungen meldeten die Teilnehmenden mindestens ein unerwünschtes Ereignis. Insgesamt wurden 4.007.149 solcher Ereignisse erfasst. 88 % davon waren erwartete lokale oder allgemeine Reaktionen, etwa Schmerzen an der Einstichstelle oder Fieber. Alter, Geschlecht, Impfstoff und Dosis beeinflussten, wie häufig diese Reaktionen auftraten. Eine ärztliche Behandlung war bei 0,36 % der Impfungen nötig[2].

Autor

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ist studierte Romanistin und ausgebildete Radiojournalistin, arbeitet seit rund zwanzig Jahren für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, vorwiegend im Kulturbereich. Von 2013 bis 2020 war sie als Dozentin der DW Akademie für Journalismus in Bolivien, Guatemala, Brasilien, Libanon und Palästina unterwegs. Aufgrund der Bankrotterklärung des Journalismus berichtet sie seit 2020 über aktuelle Politik und Wissenschaft und kommentiert den Wandel der Gesellschaft.

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